Konzept zur individuellen Förderung

 

Theorierahmen zur Förderpraxis der Schule

Im Zentrum der schulischen Arbeit steht die Förderung der Schüler. Die Schule setzt sich seit über 15 Jahren gezielt mit den Ergebnissen der pädagogisch-psychologischen Forschung, der Lern- und Unterrichtsforschung sowie der Hirnforschung auseinander. Folgende Aspekte besitzen für das Förderkonzept der Schule besonderes Gewicht:

  • In das pädagogische Konzept zur Förderpraxis der Schule sind u.a. eingeflossen Forschungsergebnisse aus folgenden Fachgebieten: Bildungsforschung (z.B. Prof. Dr. Klemm, Prof. Dr. Schleicher) Erziehungswissenschaften (z.B. Prof. Dr. Struck, Prof. Dr. Haubl) Bindungsforschung (z.B. Prof. Dr. Eggers, Prof. Dr. Grossmann) Hirnforschung (z.B. Prof. Dr. Hüther, Prof. Dr. Spitzer).

  • Aus den Forschungsergebnissen sind vor allem Konsequenzengezogen worden für die Gestaltung des Lernumfeldes, für die Unterrichtsorganisation und für die Unterrichtsgestaltung, für den Lehrereinsatz, für die Hausaufgabenbetreuung und für die Einrichtung von Lerngruppen, für die Leistungskontrolle der Schüler/innen und für das Konzept der Lehrerfortbildung.

 

Grundsätze:

  • Basis aller pädagogischen Maßnahmen ist eine positiv erlebte Schüler-Lehrer-Beziehung! 

  • An die Stelle des Selektionsgedankens tritt der Fördergedanke.

  • Das Prinzip der (individuellen) Förderung ist pädagogisches Leitziel im Schulprogramm. 

 

Förderpraxis der Schule

a)   Gestaltung des Lernumfeldes 

  • offene, freundliche und zuwendungsorientierte Schüler-Lehrer-Beziehung, Anerkennung auch außerschulischer Leistungen 

  • starke Einbeziehung der Eltern in die gesamte schulische Arbeit 

  • Nutzung des schuleigenen Landheims für Projektarbeit in allen Stufen für Veranstaltungen aller Gruppen der Schule 

  • reichhaltiges musisches und künstlerisches Leben an der Schule 

  • Teilnahme an zahlreichen Sportwettbewerben 

  • nach ästhetischen Prinzipien gestaltetes Schulgebäude 

  • Regelsystem für Schüler und Lehrer 

  • und nicht zuletzt: Zeit haben für die Anliegen der Schüler und der Eltern! 

 


b)   Stundentafel und Unterrichtsorganisation

  • In der Stundentafel wird die Sprachförderung besonders berücksichtigt, da sie – speziell unter den Rahmenbedingungen des Essener Nordens – als fächerübergreifende Schlüsselqualifikation anzusehen ist. In den Stufen 5 und 6 wird die Stundenzahl in den Fächern Deutsch und Englisch erhöht

  • In den Sprachen und in Mathematik wird bedarfsgerecht Förderunterricht der gesamten Sekundarstufe I angeboten, in der Sekundarstufe II werden im G8-Bildungsgang Vertiefungskurse angeboten.

  • Parallel zum Religionsunterricht ist in der Sekundarstufe I der Kurs „Literatur“ fest verankert. Dieser Kurs dient vorrangig der Sprachförderung muslimischer Schüler/innen. Konzept und Materialien sind von der Fachkonferenz Deutsch erarbeitet worden. Im fünfzügigen Leibniz-Gymnasium hat dieser Kurs heute fast zwei Klassenstärken. 

  • Nach einer einjährigen Probephase wurden am Leibniz-Gymnasium die Einzelstunden zugunsten von Doppelstunden weitgehend abgeschafft. Der Unterricht verläuft jetzt mit weniger Zeitdruck. In den naturwissenschaftlichen Fächern können mehr Experimente, in der Mathematik mehr Übungen auch während der Unterrichtszeit durchgeführt werden. Außerdem – und das ist wohl der wichtigste Effekt – tritt der lehrerzentrierte Unterricht zugunsten eines deutlich schülerorientierten Unterrichts in den Hintergrund. 

 


c)   Hausaufgabenbetreuung und Lerngruppen

  • Vielen Schülerinnen und Schülern fehlen häusliche Unterstützungsstrukturen. In den Stufen 5 bis 8 wird daher eine nachmittägliche Hausaufgabenbetreuung angeboten, die nach dem Prinzip „Schüler helfen Schülern“ funktioniert.
    Die Betreuung der kleinen - nach fachlichen Schwerpunkten zusammengestellten - Gruppen wird von Schülertutoren der Klassen10 bis 12 übernommen. Dabei ist eine Relation von maximal 5 Schülern pro Tutor gewährleistet. Die Teilnahme ist für ein halbes Jahr verpflichtend, die Anwesenheit wird kontrolliert, Fehlzeiten dem jeweiligen Klassenlehrer zurückgemeldet.
    Für die Tutorenstellen, die mittlerweile sehr begehrt sind, werden die unter fachlichen und pädagogischen Gesichtspunkten am besten geeigneten Schülerinnen und Schüler ausgewählt. Zu Beginn ihrer Tätigkeit werden die Tutoren in einem zweitägigen Tutoren-Workshop im schuleigenen Landschulheim in Rhade geschult und gezielt auf ihre Aufgaben und ihre Rolle vorbereitet.

    Die Tutoren erhalten pro Zeitstunde fünf Euro, die Hälfte davon müssen die Schüler zahlen, die andere Hälfte übernimmt der Förderverein. Während der Hausaufgabenbetreuung stehen in der Erprobungsstufe im Hintergrund Fachlehrer als Aufsicht und Ansprechpartner bereit. 

  • Das Prinzip Schüler helfen Schülern wird auch in der Mittel- und Oberstufe angewendet. Die Förderung erfolgt hier in kleinen freiwilligen Lerngruppen. Lehrerinnen und Lehrer bringen starke Schülerinnen und Schüler etwa aus den Leistungskursen mit schwächeren Schülerinnen und Schülern zusammen. Auf diese Weise entstehen freiwillige AGs, die am Nachmittag in der Schule oder auch zu Hause arbeiten. Darüber hinaus fungieren klassen- bzw. kursintern leistungsstärkere Schüler als Lernpaten für leistungsschwächere Schüler und liefern somit fachspezifische Unterstützung.

 


d)   Leistungskontrolle

  • Grundlage einer individuellen Förderung ist die Feststellung eines Förderbedarfs. Daher werden die Leistungen der Schülerinnen und Schüler durch Fach- und Klassenlehrer sowie durch die Stufenkoordinatoren kontinuierlich beobachtet. Um Förderbedarf möglichst frühzeitig festzustellen und Fördermaßnahmen zeitnah zum Bedarf einzuleiten, werden zum Ende jedes Quartals die Schüler ermittelt, bei denen bereits Defizite in ihren schulischen Leistungen sichtbar geworden sind.

  • Um zeitnah auf Leistungseinbrüche reagieren zu können werden vierteljährlich Konferenzen (Erprobungsstufe) bzw. Fördergespräche zwischen Stufenleitung, Klassenlehrern (Sek I) bzw. Schülern (Sek II) und ausgewählten Fachlehrern mit dem Ziel durchgeführt

    • individuelle Maßnahmen zur Förderung der einzelnen Schüler zu erörtern und festzuhalten (z.B. Förderunterricht, HA-Hilfe, Lernpaten)

    • Lernprobleme für alle den Schüler Unterrichtenden transparent zu machen,

    • den einzelnen Kollegen zu informieren, welche Bedeutung die Fachnote in Bezug auf die weitere Laufbahn des Schülers hat (möglicher Defizit-Ausgleich),

    • fachübergreifenden Förderbedarf festzustellen (z.B. in den Bereichen Lernmotivation, Leistungsbereitschaft), 

    • evtl. Erfahrungen über von einzelnen Kollegen gewählte, erfolgreiche Förderungsansätze zu sammeln.

  • Die Ergebnisse der Fördergespräche fließen in eine fundierte Beratung an den sich zeitlich unmittelbar anschließenden Elternsprechtagen ein.

 

e)   Kooperation auf Stufen- und Fachebene

  • Die Einführung von stufen- und fachbezogenen Lehrerteams hat die Abstimmung in Unterrichts- und Erziehungsfragen wesentlich verbessert. 

  • Generelle pädagogische Fragestellungen und die Entwicklung der einzelnen Schüler/innen werden regelmäßig auf Stufenebene erörtert. 

  • Fachteams erarbeiten gemeinsam Materialien für die Fächer auf Stufenebene. Der Unterricht wird – soweit möglich – auf der Stufenebene parallelisiert. Bei Abwesenheit eines Lehrers können Klassen im Regelfall den Fachunterricht fortsetzen. 

 

f)   besondere Förderung der Schüler in der Erprobungsstufe

  • Das Leibniz-Gymnasium ist sich bewusst, dass der Übergang von Grundschule zum Gymnasium insbesondere im verkürzten G8-Bildungsgang mit Problemen behaftet sein kann. 

  • Aus diesem Grunde setzen insbesondere in der Erprobungsstufe bereits eine Vielzahl an individuellen Förderungsansätzen (vgl. hierzu das Förderkonzept EPS) ein, die mögliche Schwierigkeiten beim Übergang an das Gymnasium frühzeitig erkennen und diesen entgegenwirken können

  • Somit gelingt es, dass das erfolgreiche Durchlaufen der Erprobungsstufe eine fundierte Grundlage dafür liefert, dass ein Schüler mit Versetzung in die Jgst. 7 die Sekundarstufe I in der Regel ohne Wiederholungen (vgl. extrem geringe Wiederholerquote) durchlaufen kann.

 

 

 


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